Stricken ist schon eine feine Sache. Man kann es ganz für sich alleine machen und so Zeit für Me-Time schaffen. Gestrickt werden kann aber auch super in der Runde mit lieben Menschen zusammen. Während die Hände beschäftigt sind, kann man sich wunderbar unterhalten und Gespräche führen oder ihnen lauschen – vorausgesetzt man strickt gerade kein allzu kompliziertes Muster.
Eine etwas abgewandelte Form davon ist ein Knitalong. Dieses Wort kommt aus dem Englischen und meint, dass man gemeinsam zu einem bestimmten Thema oder ein bestimmtes Design strickt. Das hat einige Vorteile. Gemeinsam das gleiche Projekt zu stricken gibt ein Wir-Gefühl. Plötzlich strickt man eben nicht mehr alleine, sondern in der Gruppe – auch wenn diese Gruppe oft nur virtuell zusammen trifft. Man kann sich so gegenseitig unterstützen, wenn Probleme mit der Strickanleitung auftauchen oder sich untereinander motivieren, bei eintönigen Passagen dran zu bleiben. Das Endergebnis ist es ja meistens wert, auch wenn der Strickprozess zwischenzeitlich ganz schön fade sein kann.

Ein spontaner Knitalong
Und genau diese Vorteile eines Knitalongs, kur KAL, wollte ich auch bei meinem Petite Provence nutzen. Ich habe mich in das Design sofort verliebt und so kleine Tücher oder Schals haben es mir aktuell ohnehin schwer angetan. Zum Design selbst sage ich gleich noch ein paar Worte mehr, nur so viel vorweg: Das Muster ist einfach, sodass man es flott im Kopf hat. Ab da heißt es eben nur noch Reihe für Reihe immer dasselbe stricken. Dafür braucht man einen langen Atem und Durchhaltevermögen. Denn eins war klar: Das Ergebnis ist es wert, dass man durchhält! Und ganz eventuell wollte ich es auch einfach als neues Sample und Inspiration für meinen nächsten Wollmarkt Wool & the City in Fürth dabei haben.

Da ja gerade ohnehin sehr viele Leute dieses Design stricken, weil es völlig zurecht super beliebt ist, kam mir eine Idee. Wie wäre es, wenn wir uns einfach an einem Ort versammeln und gemeinsam stricken? Uns gegenseitig motivieren, bei Problemen helfen oder einfach die vielen verschiedenen Farbvarianten bewundern. So manch einer hat sich so schon zu einer zweiten Variante inspirieren lassen! 😉
Und so habe ich meine alte etwas eingestaubte Whatsappgruppe wieder vom Staub befreit und ganz spontan auf Instagram, YouTube und TikTok zu einem gemeinsamen Knitalong aufgerufen. Und ich bin ehrlich: Mit so viel Resonanz hätte ich nicht gerechnet. Ich hatte gehofft, dass ein, zwei Leute mit mir gemeinsam stricken möchten. Aber es wurden um einige mehr! Und das hat soooo viel Spaß gemacht, dass ich einfach direkt noch einen KAL anschließen möchte. Dazu erzähle ich am Schluss etwas mehr.
Boo trifft auf Cloud und Make it Blümchen – meine Garnauswahl
Aber nun gehts erstmal um den Petite Provence. Und am Anfang eines neuen Strickprojektes steht ja bekanntlich immer die Wahl des richtigen Garns. Die Garnbasen waren für mich flott gewählt. Ich wollte unbedingt einen flauschigen Partner in diesem Schal haben. Man kann es zwar auch komplett ohne Flausch stricken, aber ehrlicherweise finde ich es gerade mit dem Halo von aufgefluffter Wolle besonders schön. Daher musste unbedingt meine flauschig weiche handgefärbte Cloud her. Das ist eine Mischung aus weichem Alpaka und feiner Seide. Gepaart habe ich das ganze mit der seidig glänzenden Boo, die aus BFL–Schurwolle und Viskose besteht.
Als kleines extra-Bling Bling habe ich noch Make it Blümchen von Rico Design dazu kombiniert. Dieses habe ich zusammen mit dem Flauschgarn zweifädig verstrickt. Make it Blümchen hat ganz feine kleine Blümchen-Pailletten mit drin. Als Beilaufgarn bringt es daher ein wenig zusätzlichen Glamour mit rein, ohne überladen zu wirken. Man sieht die Pailletten nur leicht schimmern, wenn etwas Licht darauf fällt. Das Strickstück wirkt aber so nie überladen, denn die Pailletten halten sich ganz dezent im Hintergrund.
Ich habe für meinen Petite Provence-Schal von jeder Farbe etwas mehr als einen halben Strang benötigt. Ich habe mich aber auch gegen die Rüsche entschieden.
Falls du nun auch Lust bekommen hast, dir deinen persönlichen Petite Provence zu stricken, dann schau gerne bei meinen Sets zu diesem tollen Schal vorbei. Du findest sie hier.

Petite Provence von Anja Müller – ein paar Worte zur Anleitung
Nachdem die Wahl der richtigen Wolle nun also gefallen ist, widmen wir uns der Anleitung. Anja Müller hat mit ihrem Petite Provence wirklich ein erstaunliches Design erschaffen. Ich liebe es, wie hier dieses effektvolle, aber einfach zu strickende Strukturmuster auf Effektgarne trifft und so optisch zum Hingucker wird.
Gestartet und Beendet wird der Petite Provence mit einem Icord. Man strickt also zunächst eine Kordel und strickt daraus Maschen heraus, um dann zum eigentlichen Schalmuster überzugehen. Standarmäßig wird ein solcher Icord mit rechten Maschen gestrickt. Anja Müller hat sich über diese Standardvorgabe aber hinweg gesetzt und ihn kurzerhand mit linken Maschen gestrickt. Das ist tatsächlich etwas ungewöhnlich zu stricken, wirkt optisch aber wirklich schick und passt so noch besser zum Strukturmuster des Schals. Wem das mit den linken Maschen allerdings zu schwierig ist, der kann auch getrost wie gewohnt den Icord mit rechten Maschen stricken. Auch das wirkt am Ende hübsch im fertigen Schal.

Im Prinzip ist die Konstruktion des Schals recht simpel und trotzdem ist die Anleitung ungewöhnlich lange. Ich hatte daher auch ein wenig meine Probleme mit der schriftlichen Darlegung der Strickanleitung. Versteh mich nicht falsch. Das Design selbst ist klasse und ich liebe es sehr, aber die Art und Weise, wie die Anleitung geschrieben ist, hat hier und da noch ein wenig Verbesserungspotential meiner Meinung nach.
Wenn ich ein Strickdesign nach stricken möchte, dann mag ich es sehr, wenn man möglichst flott zum Punkt kommt in einer Strickanleitung. Ein paar einleitende Worte und Hinweise, worauf man achten soll, sind völlig in Ordnung. Das kann man aber meist in 3-4 Sätzen abhandeln und dann sollte es meiner Meinung nach losgehen. Ich möchte nicht erst einen halben Roman lesen, bevor ich endlich losstricken kann. Die Anleitung von Anja Müller ist an manchen Stellen wirklich seeeeeeeehr ausführlich gehalten, an anderer Stelle lässt sie uns leider etwas allein. So muss man erstmal dreieinhalb Seiten voll mit Text durchlesen, bevor man überhaupt die erste Masche anstricken darf. Hier hätte man locker mindestens die Hälfte des Textes einkürzen können meiner Meinung nach. Denn gerade viel Text am Anfang wirkt oft eher verwirrend, als wenn man einfach klare Strickanweisungen in kurzer und prägnanter Form erhält. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vor allem Strickanfänger mit so viel Text erst einaml abgeschreckt werden und man es ihnen so eher schwerer macht, das eigentlich einfach zu strickende Design nachzuarbeiten.
Am Ende des Schals, wenn man den Icord wieder abkettet, hätte ich mir jedoch etwas mehr Infos gewünscht. So wird nicht mehr erklärt, wie man die allerletzten drei Maschen des Icords nun fertig abkettet. Bei einem Icord gibt es ja nun doch einige Möglichkeiten, einen schönen Abschluss zu finden. Hier wird man leider etwas allein gelassen, wie man das für sich persönlich löst.
Alles in allem muss ich trotzdem sagen, dass ich die Anleitung weiter empfehlen würde. Sie hat zwar so ihre Schwächen, aber das tolle Design ist es trotzdem wert, dass man sich da durchkämpft! Hast du auch schon einen Petite Provence gestrickt? Und wie kamst du mit der Anleitung zurecht? Schreibe es mir gerne in die Kommentare!

Und was stricken wir jetzt? – Ein neuer Knitalong steht in den Startlöchern
Ja und nun? Knitalong beendet und das wars? Ja neeee. Dafür hat das gemeinsame Stricken doch viel zu sehr Spaß gemacht! Ich möchte gerne wieder mit dir, mit euch zusammen stricken. Und zwar dachte ich mir, wir könnten beim kommenden KAL doch so ne Art Strick-Lerngruppe oder Strick-Selbsthilfegruppe machen. Wir nehmen uns ein Thema vor, das viele fasziniert und ängstigt zu gleich: Steeken.
Falls du den Begriff Steeken noch nicht kennst: Gesteekt werden meistens Cardigans. Dabei wird dieser zunächst wie ein Pullover einfach in der Runde geschlossen gestrickt. Für die spätere Öffnung vorne werden zusätzliche, sogenannte Steekmaschen mitgestrickt. Wenn man den Körper fertig gestrickt hat, werden die Steekmaschen seitlich durch abnähen, abhäkeln oder leichtes anfilzen fixiert und das Strickstück in der Mitte aufgeschnitten. Zum Schluss strickt man entlang der Schnittkante noch eine Borte ran und fertig ist der Cardigan. Zumindest in der Theorie. Denn ich bin ehrlich: Ich habe mich da bisher auch noch nicht daran getraut.

Und genau deshalb meine Idee: Wollen wir uns gegenseitig virtuell die Händchen halten, wenn wir mutig in unser frisch gestricktes Strickstück mit der Schere hineinschneiden?
Folgende wichtige Eckdaten zum KAL, solltest du wissen:
- Das Design: Wir stricken den Hirne Cardigan von Kate Davies Designs. Dieser hat ein tolles Strukturmuster in der Rundpasse oben und ist ansonsten schlicht gehalten. Die große Herausforderung steht also vorallem beim Steeken.
- Die Wolle: Hier hast du mehrere Möglichkeiten.
- Am besten passt hierzu meine handgefärbte neue Garnbasis Wiese. Sie besteht aus deutscher Merinolandschaf-Wolle, die aus München stammt, ist nonsuperwash und damit perfekt für einen gesteekten Cardigan geeignet. Bei nonsuperwash-Garnen verhaken sich die einzelnen Maschen etwas mehr ineinander und so drößelt sich das aufgeschnittene nicht so leicht auf.
- Da es die gleiche Base ist, passt auch die Wiesenwolle von Yvonne. Yvonne lässt dieses Garn selbst verspinnen und strickt auch persönlich beim neuen KAL mit.
- Alternativ kannst du auch die Blue DK wählen. Diese ist allerdings superwash-ausgerüstet und etwas rutschiger. Wird aber gut gesichert vermutlich auch funktionieren.
- Oder du nimmst einfach Wolle deiner Wahl! Bei diesem Knitalong wollen wir vor allem gemeinsam etwas neues lernen. Tauch also in deinen Stash ab und such dir was passendes aus. Hauptsache wir haben Spaß!
- Der Zeitplan: Wir beginnen am 2. September um 19 Uhr live auf YouTube! Ich stricke dort live an und ihr könnt das parallel mit mir machen. So können wir auch gerne direkt im Live erste Probleme und Fragen klären. Also kommt gerne dazu!
- Der Ort: In meiner Whatsapp-Gruppe. Hier kommst du dort hin.
Ich freue mich auf dich! Und wenn du noch Fragen hast, dann schreib es einfach in die Kommentare!
Liebe Grüße
Deine Steffi
Verlinkt bei Lieblingsstücke
