Ich liebe es, Neues auszuprobieren – deshalb teste ich gerade verschiedene Beilaufgarne, die nicht nur meine Stricknadeln, sondern auch mein Sortiment zum Glänzen bringen sollen. Dieses Mal im Test: Die Crazy Paillettes von Rico Design.
Das Paillettengarn einfach nur als kleine Maschenprobe zu testen, ist aber etwas öde. Ich möchte schon sehen, wie der Effekt in einem kompletten Strickstück zum Tragen kommt. Und was liegt da näher als mitten in der Hitzewelle im Sommer ein Sommershirt anzuschlagen?
Pier 39 – eine tolle Anleitung von Isabell Krämer
Die perfekte Anleitung war auch schnell gefunden. Denn das Pier 39 – Shirt von Isabell Krämer ist schon länger auf meiner To-knit-list. Die feinen dünnen Streifen sind perfekt, um die Crazy Paillettes als funkelndes Kontrastgarn in Szene zu setzen.
Die Strickanleitung ist auf deutsch und englisch erhältlich, super strukturiert und lässt sich wirklich ganz einfach nachstricken. Selbst als ambitionierte:r Strickanfänger:in sollte man sich hier gut zurecht finden.
Was mir an dem Design besonders gut gefällt ist, dass es mit so viel Liebe zum Detail ausgearbeitet wurde. Es ist im Grunde ein schlichtes Shirt, aber es wurde mit Zu- und Abnahmen an genau den richtigen Stellen perfekt an die Rundungen einer Frau angepasst.

Die perfekte handgefärbte Wolle für ein luftiges Shirt
Das Kontrastgarn stand ja von Anfang an fest – die Crazy Paillettes von Rico Design. Ich hatte mich hier für die Farbe Anthrazit entschieden.
Nun brauchte ich aber noch ein passendes sommerliches Garn für die Hauptfarbe. Anfangs schwankte ich für die beiden handgefärbten Garnbasen Boo und Blue aus meinem Shop. Boo ist mit ihrem Viskoseanteil eine angenehme sommerliche Wolle. Es ist allerdings auch recht voluminös, was eine zu große Abweichung in der Garnstärke im Vergleich zum Paillettengarn geheißen hätte.
Daher hat Blue das Rennen gemacht. Die Blue besteht aus 100% Schurwolle, genauer gesagt aus Bluefaced Leicester-Fasern. Sie zeichnet sich durch eine Perlgarnzwirnung aus, was das Garn kompakter und definierter macht. Besonders eignet sich eine solche Garnkonstruktion für Ajourmuster, die so noch prägnanter wirken.
Ajourmuster ist hier zwar nicht gefragt, im glatt rechts gestrickten Pier 39 – Shirt, aber die Garnstärke harmoniert schön mit den Crazy Paillettes und es trägt sich im Sommer wirklich super angenehm. Wenn du jetzt denkst: Aber Wolle ist im Sommer doch viel zu warm!, dann will ich dir meinen Beitrag zur temperaturausgleichenden Wirkung von Wolle wärmstens ans Herz legen.
Für das Pier 39 habe ich mich bei der Blue für die Farbe Jelly Red entschieden.
Hier gehts zur Garnbasis Blue.
Hier gehts zu den Crazy Paillettes.

Die Suche nach dem perfekten Pailletten-Streifen
Während dem Stricken habe ich festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, den perfekten Paillettenstreifen zu finden. Daher habe ich ein paar Varianten ausprobiert.
Meine erste Idee war es, das Paillettengarn einfach solo als Kontraststreifen zu verstricken. Das war aber zum einen durchsichtiger im Gestrick, als es mir lieb war und zum anderen war das Garn einzeln verstrickt deutlich dünner als die Blue. Es ist ja im wesentlichen auch eher ein Beilaufgarn.
Die zweite Idee war es, es als Beilaufgarn mit der Blue in Jelly Red zu verstricken. Da war der Kontrast aber viel zu schwach. Ich hätte hier nun auch eine dunklere Färbung auf der Blue mitverstricken können. So wäre der Kontrast wieder stark genug gewesen. Jedoch wären die Pailletten in diesem dünnen Streifen eher schlecht zur Geltung gekommen.
Meine Freundin Lali hatte dann die zündende Idee: Nimm die Crazy Paillettes doch einfach doppelt! Und das war für mich der Gamechanger. So hatte das Gestrick nun die passende Garnstärke. Das Paillettengarn lässt sich doppelt gehalten auch deutlich einfacher verstricken als wenn man es solo verstrickt. Auch der Kontrast und der Glitzereffekt hatten so nun die von mir gewünschte Wirkung.

Der Strickprozess: Höhen, Tiefen, Glücksmomente
Ich muss ehrlich sagen, wirkliche Tiefen gab es bei diesem Projekt nicht. Ich habe wirklich jede Sekunde genossen. Das Shirt wird von oben nach unten nahtlos gestrickt. Das ist sowieso meine allerliebste Herangehensweise! Dabei sind natürlich am Anfang noch ein paar Instruktionen mehr zu beachten, da die Schulter- und Armpartie erst ausgeformt werden muss.
Während des Strickens merkt man jedoch, wie gut durchdacht dieses Design ist und wie gut jede Maschenzunahme sitzt, um dem Shirt die Form zu geben, das es nun einmal haben soll. Schließlich soll es am Ende ja auch gut sitzen und gut aussehen. Man spürt hier förmlich die jahrelange Erfahrung im Strickdesign der Designerin.
Die Längen sind dann fernsehtaugliches glatt rechts in der Runde. So kommt man zügig voran und die Streifen motivieren außerdem. Der Satz „Ich stricke heute nur noch diesen Streifen zu Ende“, war mein ständiger Wegbegleiter. Es mag zwar auch dem Umstand geschuldet sein, dass ich während dieses Strickprojektes auch eine Woche Urlaub hatte und somit deutlich mehr Strickzeit, aber das Shirt war in flotten 3 Wochen beendet.
Am meisten Spaß haben mir hierbei die Ärmelbündchen gemacht. Die Armlocher wirken zunächst viel zu groß. Die gingen mir bis unter die Brust. Die Ärmelbündchen werden mithilfe von verkürzten Reihen so geschickt geformt, dass sie nicht nur ein optischer Hingucker sind, sondern das Armloch auch auf ansehnliche Art und Weise verkleinern und optimieren. Lieb ich!

Dieses kleine Detail habe ich abgeändert
Ein kleines Detail habe ich aber im Nachhinein abgeändert. Das Design ist so konstruiert, dass es am Kragen kein Bündchen hat. Man beginnt einfach mit Glatt rechts und das soll dann so bleiben. Bei mir hat sich das jedoch sehr unschön gerollt. Daher habe ich im Nachgang hier noch ein kurzes Bündchen mit 5 Runden 1×1-Bündchenmuster rangestrickt. Da dies das Bündchenmuster vom Saum unten und von den Ärmeln wieder aufgreift, wirkt das ganze stimmig und es rollt sich nichts mehr.
Das fertige Shirt: Tragegefühl und Stylingideen
Was soll ich sagen? Dieses handgestrickte Sommershirt trägt sich einfach wunderbar! Es sitzt genau so wie es soll. Die Paillettenstreifen bringen genau die richtige Portion Bling Bling in dieses Projekt. Ich liebs.
Durch die Streifen mit dem Paillettengarn ist es auch ein schickes Partyoutfit, aber dennoch auch alltagstauglich. Was will man mehr? Ein richtiger Allrounder quasi.
Ich trage das Shirt am liebsten zu einer schlichten Hose. Es wirkt aber sicherlich auch gut mit einem langen Rock oder über ein Maxikleid.

Fazit: Wird das Pier 39 ein Lieblingsstück?
Das Pier 39 ist definitiv schon jetzt ein Lieblingsstück. Und da es auch beim Stricken so unglaublich viel Spaß gemacht hat, kann ich mir sehr gut vorstellen, es noch einmal zu stricken.
Da die Grundkonstruktion so simpel ist, lädt es auch dazu ein, sich mit Streifen zu spielen. Oder sie auch einfach komplett wegzulassen. Genau solche Anleitungen liebe ich ja, die einem eine schöne Passform liefern und bei denen man sich dennoch selbst kreativ ausleben kann.
Falls du eine Inspiration brauchst, wie man sich mit Streifen spielen kann und so verschiedene Effekte zaubern kann, dann empfehle ich dir hier mein Video auf YouTube.
Ich hoffe, ich konnte dich nun zu deinem eigenen Sommershirt inspirieren. Schöpfe hier gerne deine komplette Kreativität aus. Es lohnt sich!
Wollige Grüße
Steffi
PS: Wenn du die Erzählungen zum Pier 39 gerne nochmal als Video anschauen magst, dann hast du hier die Möglichkeit:
Verlinkt bei Lieblingsstücke

Ein Gedanke zu „Pier 39 – Mein Sommershirt mit Glitzerfaktor“