„Na, wann wart ihr das letzte Mal in Schweden?“ Lange konnte ich darauf nur mit einer Auflistung meiner Ikea-Besuche antworten. 2021 hat es dann endlich geklappt und ich stand in Småland, der Heimat meiner Astrid-Lindgren-Kindheitsheld*innen. Seitdem plappert die Sprachlern-App auf dem Telefon und ich träume vom nächsten Urlaub im Norden. Bis es soweit ist, gibt es aber auch jede Menge Wissenswertes in Sachen schwedische Wolle zu entdecken und deshalb heißt das Thema an diesem Freitag: Gotlandschafe.
Inselbewohner: Die Schafrasse Gotland
Gotland ist eine Insel zwischen dem schwedischen Festland und dem Baltikum. Mit fast 3.000 Quadratkilometern ist sie die zweitgrößte Insel in der Ostsee. Ihr Name leitet sich von einem Germanenstamm, den Goten, ab, die diese Region einst besiedelten.
Gotland ist die Heimat des Gotland-Pelzschafs oder wie es im Schwedischen heißt: Gotlandfår.
Soweit, so klar. Es gibt allerdings ein weiteres Schaf, das von der Insel stammt, das Guteschaf. Im Deutschen werden gelegentlich beide Arten in einen Topf geworfen, es handelt sich aber tatsächlich um unterschiedliche Rassen.
Auf Gotland gilt in Sachen Farbe: Fifty Shades of Gray

Das Gotlandschaf wurde aus Freiweideschafen gezüchtet und gehört zu den nordischen Kurzschwanzschafen. Andere Vertreter dieser Landschafrassen sind Skudden, Heidschnucken oder zum Beispiel auch Islandschafe. Es hat also eine große und weitverzweigte Verwandtschaft.
Gar nicht ausufernd sind hingegen seine Bedürfnisse. Auf so einer Meeresinsel kann es schon mal rau und windig zugehen. Wie gut, dass Gotlandschafe keinen exquisiten Geschmack haben, sondern fressen, was die Weide so hergibt und auch bei unangenehmem Wetter schön stoisch herumstehen. Das fällt ihnen aufgrund des dicken Pelzes aber auch etwas leichter als uns Menschen. Ihr dichtes Wollkleid changiert zwischen silbergrau und dunkelbraun. Die Lämmer sind in der Regel schwarz und ändern dann ihre Farbe je älter sie werden. Das hat den schönen Effekt, dass die Lammwolle der ersten Schur oft mehrfarbig ist. Die Beine sind eher sparsam behaart und bleiben ein Leben lang schwarz, was den Tieren ihr charakteristisches Aussehen verleiht. Weiße Zeichnungen gehören nicht zum Rassestandard, kommen aber häufig vor.
Lockenlook – Auf Gotland nie aus der Mode

Pro Jahr kann ein Gotlandschaf zwischen vier bis sechs Kilogramm Wolle produzieren. Die Besonderheit: Die Haare sind gelockt. Das sieht nicht nur sehr niedlich aus, sondern bringt auch spannende Fasereigenschaften mit sich. Abgesehen von der feineren Lammwolle hat das Gotlandschaf den Ruf eher rauere Wolle von bis zu 32 Micron zu produzieren. Daher wird ein Großteil der Schurwolle auch für die Filzherstellung verwendet.
Also nichts für Stricker*innen und Handstrickwolle? Das kann man so nicht sagen. Fasern vom Gotlandschaf sind besonders lang und sind deswegen spannend für Handspinner*innen. Da die Fasern aufgrund ihrer Struktur leicht verfilzen, eignen sich Garne aus Gotlandschaf-Wolle besonders gut für Colourwork bzw. Fair-Isle-Projekte. Hier ist ein gewisses Maß an „Verhaken“ der Fäden im fertigen Gestrick ja durchaus erwünscht. Auch wenn Gotlandwolle vielleicht eher nichts für sehr empfindliche Haut ist – für stabile, warme Haussocken ist sie durchaus geeignet.
Habt ihr schon mal mit Wolle vom Gotlandschaf gestrickt? Seid ihr eher für schmeichelhafte Wolle zu haben oder darf es auch mal ein bisschen robuster zugehen auf euren Nadeln?
Verratet es uns gerne in den Kommentaren und habt eine schöne Strickzeit!
Bis zum nächsten Mal, eure Judith
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Quellen:
- https://chantimanou.de/gotland/
- https://echt.land/magazin/landleben/ute_luft
- https://de.wikipedia.org/wiki/Gotlandschaf
- https://www.gotlandpelzschafe.de/gotland-pelzschafe/rassebeschreibung/
Bildquellen:
- Gotlandschafe: JBKjeldsen, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons
- Gotland Landschaft: Berit from Redhill/Surrey, UK, CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0, via Wikimedia Commons
